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Gasser
Immobilien
Aussenisolation
- der Fachmann ist gefragt
Isolation
bedeutet im Bauwesen Abdichtung gegen Luft, Schall, Wärme, Kälte,
Feuchtigkeit, aber auch Elektrizität. Die Aussenisolation ist eine Möglichkeit
der Wärmedämmung eines Gebäudes. Diese Aussenwärmedämmung kann mit einem
warmen Kleidungsstück, einer wärmenden Hülle, verglichen werden, in welche
man das Gebäude einpackt. Aber Achtung: Eine solche Verkleidung ist nicht immer
einfach und problemlos.
Die Aussenisolation ist eine ausgezeichnete Möglichkeit
der Wärmedämmung für ein Gebäude. Eigentlich ist der Isolationsbegriff im
Bauwesen eine eher unpräzise Sache. Der Elektriker isoliert die stromführenden
Leitungen, Kellerwände isoliert man gegen Wasser, das Isolierglas des Fensters
isoliert gegen Wärmeverluste, aber auch gegen Schlagregen oder Wind. Wenn das
Radio des Nachbarn stört, ist dies ein Problem der Luftschallisolation, und
wenn man die Schritte aus der darüberliegenden Wohnung hört, kann die
Trittschallisolation ungenügend sein. Wer von Gebäudeisolation spricht, meint
damit in den meisten Fällen die Wärmedämmung eines Gebäudes, speziell die Wärmedämmung
der Gebäudehülle, welche die Trennung zwischen innen und aussen darstellt.
Beim Schall und bei der Wärme gilt, dass die Isolation nie 100%ig sein kann.
Dies ist auch nicht notwendig. Es genügt, wenn die Schallübertragung so
gering ist, dass sie nicht stört, und wenn die Wärmeverluste so klein sind,
dass sie ökonomisch und ökologisch vertretbar sind. Aus diesem Grunde spricht
man korrekterweise besser von der Schalldämmung und von der Wärmedämmung. Die
Aussenisolation ist deshalb im Rahmen dieses Artikels eine Aussenwärmedämmung.
Schlafsack
für Gebäude.
Die Aussenwärmedämmung kann man vergleichen mit einem warmen Kleidungsstück
oder mit einem Schlafsack. Das Gebäude wird in eine wärmedämmende Hülle
eingepackt. Dabei liegen zwei Vorteile auf der Hand. Die Dicke der Wärmedämmschicht
ist weitgehend frei wählbar, und die Wärmedämmung kann flächendeckend, d.h.
ohne Wärmebrücken ausgeführt werden.
Die Palette der Materialien, die für Aussenwärmedämmungen mehr oder weniger
gut geeignet sind, ist gross. Die äussere Holzverkleidung, beispielsweise mit
Holzschindeln, war im Prinzip bereits eine Aussenwärmedämmung. Genauso können
wärmedämmende Aussenputze mit Schaumstoffpartikeln und vielen Luftporen den
Aussenwärmedämmungen zugeordnet werden. Die klassische Aussenwärmedämmung
verwendet jedoch spezielle Wärmedämmstoffe, die im wesentlichen in drei
Gruppen unterteilt werden können.
In der ersten Gruppe befinden sich Dämmstoffe aus Naturprodukten wie Kork,
Kokosfasern, Hanffasern, Schilfrohr. In der zweiten Gruppe finden sich
faserig/filzige Dämmstoffe aus anorganischen Stoffen (Glasfasern, Steinwolle,
Schlackenwolle) oder mineralisch gebundenen organischen Stoffen (mineralisch
gebundenen Holzwollspäne). In der dritten Gruppe befinden sich geschäumte Dämmstoffe
aus organischen Stoffen (Kunststoffe wie Polystyrol, Polyurethan, Polysocyanurat,
Harnstoff-Formaldehyd) oder aus anorganischen Stoffen wie Schaumglas, Gasbeton,
Blähbeton, Bims, Perlit.
Was die Wärmedämmleistung betrifft, so liegen die Durchschnittswerte der geschäumten
Kunststoffe knapp an der Spitze vor den faserig/filzigen Glas- und Steinwollen,
gefolgt von Kork und Schaumglas. Die Unterschiede sind allerdings gering, so
dass die Auswahl in der Praxis in der Regel durch andere Faktoren bestimmt wird.
Verputzt oder verkleidet.
Ein dominierender Faktor ist die Frage, ob die Aussenwärmedämmung verputzt
oder verkleidet werden soll. Niemand wird mit dem Pullover stundenlang im Regen
spazieren gehen. Genauso wichtig ist es, dass die regen- und windempfindliche
Aussenwärmedämmung geschützt wird. Dies ist durch eine vorgesetzte
Verkleidung oder durch einen Verputz möglich.
Die
Verkleidung gilt als die risikoärmste Variante in bezug auf mögliche Bauschäden.
Sie wird in der Regel mit einem Abstand von 20 bis 40 mm vor der Wärmedämmung
angebracht. Deshalb kann auch eine sehr feuchte Konstruktion hinter einer
Verkleidung austrocknen, und Regenwasser, das die Verkleidung ausnahmsweise
durchdringt, durchnässt nicht die Wärmedämmung, sondern läuft im Luftspalt
zwischen Verkleidung und Wärmedämmung nach unten weg. Ein weiterer Vorteil der
Verkleidung liegt darin, dass eine grosse Freiheit in der Wahl der Wärmedämmstoffe
vorhanden ist. Praktisch alle oben angeführten Dämmstoffe können eingesetzt
werden.
Der grosse „Nachteil“ der Verkleidung liegt im Aussehen. Für viele
Hauseigentümer wirkt eine Verkleidung „billig“. Es gibt unbestritten
negative Beispiele, aber seit fähige Architekten die Verkleidung in ihr
„Repertoire“ aufgenommen haben, gibt es viele überzeugende
Fassadengestaltungen.
Wer aber als Hausbesitzer trotzdem eine „solide“ aussehende, verputzte
Fassade bevorzugt: kein Problem, der Wunsch kann erfüllt werden. Die verputzte
Aussenwärmedämmung hat sich in mehr als 30 Jahren zu einer anerkannten
Bauweise entwickelt, die im Jahr 1988 auch als Regel der Baukunde ins
SIA-Normwerk mit der Norm 243 „Verputzte Aussenwärmedämmungen“ Eingang
gefunden hat. Die verputzte Aussenwärmedämmung hat sich nicht nur für
Neubauten, sondern auch für wärmetechnische Gebäudesanierungen bewährt.
Nichts
für Amateure.
Trotzdem:
Vorsicht ist angezeigt. Verputzte Aussenwärmedämmungen sind nicht für
Do-it-yourself-Amateure. Wer mit Eigenleistungen die Wärmedämmung seiner
Liegenschaft verbessern will, soll dies auf andere Weise tun. Bei der verputzten
Aussenwärmedämmung ist der Fachmann gefragt. Es braucht viel handwerkliches Können,
um spätere Bauschäden zu vermeiden, und es braucht hochwertige Materialien,
die in einem System aufeinander abgestimmt sind. Wer die jeweils billigsten
Materialien zusammenkauft, braucht sich nicht zu wundern, wenn es am Ende Schäden
und Ärger gibt. Qualität hat ihren Preis. Dies gilt ganz besonders bei der
verputzten Aussenwärmedämmung. Bild 1 zeigt mit aller Deutlichkeit, wie
schnell ein Nichtfachmann bei der verputzten Aussenwärmedämmung am Ende seines
Lateins ist. Die Wärmedämmplatten wurden auf dem Mauerwerk unter Missachtung
der elementarsten Regeln fixiert. Um das Fenster quält man sich wie die Katze
um den heissen Brei.
Eine fachmännischere Ausführung des Fensteranschlusses zeigen die Bilder 2 und
3. Die Fensterbank aus Kunststein wurde nach aussen verlängert, indem ein
Streifen angedübelt und angeklebt wurde. Für die Fensterläden wurden
geeignete Kloben angebracht und am tragfähigen Mauerwerk fixiert. Aber auch
hier ist noch nicht alles durchdacht. Die Wärmedämmung wurde nicht in die äussere
Fensterleibung hineingezogen. Die Anschlussfuge zwischen Fensterbank und
Aussenputz ist in Bild 3 vor allem für den Fall einer wetterexponierten Fassade
zu wenig dicht.
Heikle
Sanierungen.
Die Bilder 4 bis 7 zeigen ein Problem, das speziell bei Gebäudesanierungen
auftauchen kann. Auf die Fassaden eines Wohngebäudes wurde bei der Sanierung
eine verputzte Aussenwärmedämmung aufgebracht. Die aufgeklebten Wärmedämmplatten
aus Polystyrol lösten sich jedoch wieder vom Untergrund und führten zu dem in
Bild 4 sichtbaren Schadenbild. Dieses ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die
abgelösten Platten krümmten (Kisseneffekt) und sich über den Plattenfugen
vereinzelt Risse im Verputz bildeten.
Gefährliche
Feuchte.
Schadenursache
war der nicht tragfähige alte Untergrund, vgl. Bilder 5 bis 6. Der alte
Kunstharz-Dispersionsanstrich war solange intakt, als er der Luft ausgesetzt
war. Durch die aufgeklebte Aussenwärmedämmung wurde er von der Luft
abgeschlossen und lag als Zwischenschicht innerhalb der Konstruktion. In dieser
neuen Lage waren die Verhältnisse für eine abgebundene Kunstharzdispersion zu
feucht (feuchtes Mauerwerk wegen Rissen vor der Sanierung, Fassadenreinigung mit
Hochdruck-Wasserstrahl, Wasserdampfdiffusion). Abgebundene Kunstharzdispersionen
verlieren unter diesen Verhältnissen ihre Festigkeit. Wassermoleküle dringen
in die zwischenmolekularen Verbindungszonen und sprengen das Gefüge. Wenn die
Feuchtigkeit ausserdem alkalisch ist (Zementanteile des Klebers für die Wärmedämmplatten),
dann können zusätzlich Festigkeitseinbussen durch Verseifungsprozesse
in der Kunstharzdispersion entstehen. Dies ist im Bild 6 daran erkennbar, dass
die Kunstharzdispersion an den Klebeflächen besonders stark angegriffen wurde.
Hier sind neben dem Verlust der Haftung zahlreiche feine sogenannte Schwindrisse
erkennbar. Diese entstanden nach der Ablösung der Wärmedämmplatten, was
bewirkte, dass die Oberfläche der Kunstharzdispersion wieder beschränkt von
Luft umgeben war und abtrocknen konnte. Das Abtrocknen erzeugte in der
Dispersion zunächst Schwindspannungen, die wegen des Verlustes an Festigkeit zu
den Schwindrissen führten.
Mechanische Befestigung.
Das geschilderte Problem besteht nicht nur bei alten Fassaden mit
Kunstharzdispersions-Anstrichen, sondern ebenso bei alten kunstharzgebundenen
Deckputzen. Deshalb gilt als Regel, dass bei der wärmetechnischen Sanierung von
verputzten Altbaufassaden zusätzlich zur Verklebung der Wärmedämmplatten eine
mechanische Befestigung erforderlich ist. Bild 7 zeigt die Sanierung einer
Aussenwärmedämmung, welche die gleichen Schäden, wie in den Bildern 4 und 6
gezeigt, aufwies. Die abgelöste verputzte Aussenwärmedämmung wurde mit
Kunststoffdübeln fixiert und mit einem zusätzlichen Verputz beschichtet. Diese
Sanierung ist aus technischer Sicht nicht unproblematisch. Sie war jedoch im
konkreten Fall insofern erfolgreich, als sich in den drei Jahren seit der
Sanierung keine erneuten Schäden einstellten.
Bild
8 ist ein Beispiel dafür, was passieren kann, wenn die Bestandteile einer
verputzten Aussenwärmedämmung nicht als System optimal aufeinander abgestimmt
sind. Was in Bild 8 auf dem Vordach über einem Hauseingang liegt, ist kein
heruntergefallener Teppich, sondern der Verputz einer Aussenwärmedämmung. Der
Grundputz, eventuell der Zwischenanstrich zwischen Grund- und Deckputz, enthielt
Anteile an organischen Lösungsmitteln. Dadurch wurde nach dem Verputzen die
Oberfläche der Wärmedämmplatten aus Polystyrol angelöst und die Haftung des
Verputzes reduziert.
Bild 9 zeigt die Rückseite einer
Verputzprobe. Das Gebäude, von dem die Probe stammt, war mit einer verputzten
Aussenwärmedämmung versehen. Diese war schadhaft wegen verschiedener Risse im
Verputz. Die Putzprobe zeigt die Ursache der Risse. Das Armierungsgitter des
Verputzes war nicht vollständig in den Putz eingebettet. Der Verputz einer
verputzten Aussenwärmedämmung muss ähnlich wie Beton armiert werden. Und was
für den Beton gilt, gilt auch für den Verputz: Die Armierung ist weitgehend
wertlos, wenn sie an der Luft liegt. Rissbildungen sind damit vorprogrammiert.
In
Bild 9 war das Freilegen der
Armierung die Folge eines Ausführungsfehlers. Auf die Oberfläche der Wärmedämmplatten
wurde zuerst das Armierungsgitter und darauf der Verputz angebracht, der sich
nur unvollständig durch das Gitter hindurchdrückte. ähnliche Probleme können
auch entstehen, wenn der Verputz zwar richtig, aber zu dünn appliziert wird:
Auch dann besteht das Risiko, dass die Armierung ungenügend von Putz
ummantelt ist und deshalb Risse entstehen.
Bild
10 zeigt ebenfalls die Rückseite der Verputzprobe einer wegen Rissbildung
schadhaften verputzten Aussenwärmedämmung. In diesem Fall war die Einbettung
der Armierung korrekt, aber das Armierungsgewebe war untauglich. Die Armierung
besteht bei verputzten Aussenwärmedämmungen aus einem Gitter aus Glasfasern.
Glasfasern sind für die Verarbeitung ausreichend biegsam und haben bei geringer
Dehnung eine genügende Zugfestigkeit. Glas ist aber von Natur aus nicht
alkalibeständig, das heisst, es wird vom Zement des Verputzes angegriffen. Die
Entwicklung spezieller Glassorten und die zusätzliche Beschichtung der
Glasgitterarmierung mit Kunststoffen hat dieses Problem jedoch gelöst. Bewährte
Systeme enthalten diese Qualitätsprodukte, so dass Verputzproben nicht mit den
blossen Fingern zerrissen werden können, was in Bild 10 der Fall war.
Die wenigen Beispiele dieses Artikels sind eine
kleine Auswahl der an der EMPA untersuchten Schadenfälle an verputzten Aussenwärmedämmungen.
Sie mögen verdeutlichen, dass bei dieser Fassadenkonstruktion der Fachmann tatsächlich
gefragt ist, sowohl auf der Produkteseite wie auch auf der Planungs- und Ausführungsseite,
und dass es für den Hauseigentümer problematisch werden kann, wenn er der
billigsten Offerte den Vorrang einräumt.
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